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24.02.2019, 23:56

"KSK Hose" als Ziviler Nachbau, komplett per Hand genäht

Hallo,

Nachdem meine alte "Einsatzkampfhose" von Tacgear endgültig den Geist aufgegeben hat, wobei sie auch schon 15 Jahre auf dem Buckel hatte, hatte sich mir die Idee eingebrannt, eine solche Hose einmal selbst zu nähen. Dies hat vor allem zwei Gründe:
Zum einen ist zwar die Passform bei den Tacgear Hosen für meine Anatomie scheinbar vorteilhafter als bei den Leo Köhler Hosen, allerdings sind die Hosenbeine auch hier etwas zu kurz. Also könnte ich bei einem Nachbei neben weiteren kleinen Modifikationen vor allem eine Hose nach Maß bauen.
Zum zweiten wirkt die grüne Hose besagter Firma zwar schon recht neutral, allerdings wollte ich von der Farbe noch etwas mehr ins zivile gehen. Da ich schwarz nicht unbedingt mag, bleibt daher nur eine Eigenproduktion. Meine Farbwahr fiel dabei auf Braun, da es sich immer noch gut in die Natur einpasst.

Noch vorab: schon vorher habe ich immer gerne eigene Sachen genäht, allerdings immer ohne Nähmaschine, da ich einfach bislang noch keine habe und ich die Handnaht immer mal als guten Alltagsausgleich schätze. Des weiteren habe ich immer mehr und mehr die Erfahrung gemacht, dass eine gut Handnaht unglaublich robust sein kann. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, ist natürlich die Frage, und sicherlich ist eine Maschinennaht z.B. als doppelte Kapnaht ebenfalls so gut wie nicht klein zu bekommen.
Allerdings fand ich den Gedanken interessant, einmal etwas komplexeres, wie solch eine Funktionshose per Hand zu nähen. Es dauert zwar ewig, aber man hat dann auch einen ganz anderen Bezug zum fertigen Werkstück.

Soweit also zu meinem Vorhaben, in dem ich nun schon mitten drin stecke. Folgend soll der Prozess in groben Zügen anhand von Fotos verdeutlicht, die verwendeten Nahttechniken aufgezeigt und hoffentlich irgendwann das fertige Stück gezeigt werden...

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25.02.2019, 00:24

Erster Schritt war logischerweise der Materialkauf und das Zerlegen der alten Hose um diese als Vorlage nehmen zu können.
Beim Stoff war es recht schwierig einen passenden zu finden, da ich unbedingt einen Ripstop-Stoff haben wollte, womöglich weil ich die etwas technischere Ästhetik mag. Außerdem kann man das Raster gut beim Ausschneiden und Nähen zu Hilfe nehmen.
Leider habe ich nur eine begrenzte Auswahl an unifarbenen Ripstop-Stoffen vorgefunden. Idealerweise suchte ich nach einem ca. 50/50 Baumwoll/Nylon Gemisch. Habe mich dann aber mit einem 100% Baumwoll-Stoff zufrieden gegeben, der vielleicht immer noch etwas zu hell ist, als das, was ich mir gedacht hatte, der aber zur Not auch noch gefärbt werden kann. Vielleicht ist die Farbe aber letztlich auch OK.
Hinzu kamen Knöpfe, Schnallen, Gurtbänder und der Reißverschluss, sowie das Cordura und der Faden.
Cordura habe ich leider auch einen kleinen Kompromiss machen müssen, da ich kein 1000den Gewebe fand, welches unlaminiert ist. Nun verwende ich ein laminiertes, Acier-Cordura genanntes, welches dann immerhin Schutz gegen Nässe bietet.
Der Faden ist (vielleicht auch nich die klügste Entscheidung, da ehr nicht bügelbar) ein extrastarkes Nylonbond von Coats, mit dem ich, was Reißfestigkeit angeht, schon sehr gute Erfahrungen gemacht habe.
Es wird also eine eigentlich etwas absurde Hose...

Gestartet habe ich mit den Anbauteilen, und hier mit den Klappen der großen Seitentaschen:

generell scheint es mir bei solchen Projekten darauf anzukommen, die Kanten gut zu bügeln...
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25.02.2019, 00:30

Wie hier vielleicht zu erkennen, habe ich bei den klappen den Umschlag quasi oben gemacht, und nicht wie beim Original unten bei den Knöpfen. So habe ich dort keine Ausfransungen und "unten" muss sowieso eine doppelte nacht gemacht werden.
es folgt der Taschenkörper...
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27.02.2019, 00:01

Hier noch zur Erläuterung der Naht bei den normalen Nähten. Alle Nähte werden hier mit einem Doppelfaden genäht. Das ist bei der Handnaht sowieso praktischer, da man den Faden einmal durch die Öse der Nadel zieht und die beiden Enden mit einem Knoten versieht. Es geht auch anders, aber so besteht nicht die Gefahr des Herausrutschens des Fadens aus der Nadel. Näht man nun zwei Stofflagen zusammen, ergibt das natürlich diese typische, gestrichelte Naht, da der Faden ja abwechselnd auf der Aussenseite und auf der Innenseite entlangläuft. Es gibt also keinen Ober- und Unterfaden. Um trotzdem ein ähnliches Bild einer Maschinennaht zu erzielen und den Stoff an der Naht nicht so wellig werden zu lassen habe ich jede normale Naht zweimal genäht, mit dem zweiten Faden dann immer einmal versetzt (siehe Abbildung).
Dementsprechend sind diese Nähte vierfache Nähte und somit zwar etwas dicker, aber auch ungemein robust. Hinzu kommt, dass mit einem Faden meist immer Teilstücke von 50 cm genäht werden. Sollte es zu einer Beschädigung kommen, kann eine Solche Naht gut repariert werden und wird nicht sehr weit aufgehen.

Im weiteren Verlauf habe ich die kleine Innentasche gefertigt, welche sich in der rechten Beintasche befindet. Hier habe ich allerdings die Ränder doppelt umgeschlagen, um die Ränder nicht säubern zu müssen und diese trotzdem vor dem ausfransen zu bewahren.
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  • Schema 1.jpg (84,41 kB - 6 mal heruntergeladen - zuletzt: 01.03.2019, 15:19)
  • IMG_6278 Kopie.JPG (141,6 kB - 12 mal heruntergeladen - zuletzt: 16.03.2019, 21:53)

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27.02.2019, 00:16

es folgte die Fertigung der Beintaschen. Auch hier gilt wieder: gutes Umbügeln erleichtert die Arbeit.
Die inneren Ränder der Tasche sind einige der wenigen, welche gesäubert werden. Hierbei wurden einfach nur Schlaufen genäht, indem immer in die selbe Lage eingestochen wird. Was man eigentlich nicht machen sollte, nämlich das fest Anziehen des Fadens habe ich hier absichtlich gemacht. Dadurch rollt sich der Stoff ein, was man normalerweise eben ehr nicht haben möchte. Ich finde diesen Effekt jedoch praktisch, da es die Schnittkante nochmals extra schützt.
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27.02.2019, 01:00

zum Abschluss der Seitentaschen wurden die Knopflöcher und Knöpfe hinzugefügt. Für die Knopflöcher wird (für den großen Langlochknöpfe) ein 30mm langer Strich an der jeweiligen Stelle gemacht, dieser dann einmal komplett umnäht und dann aufgeschnitten. Schließlich wird das ganze nochmals wieder mit Schlaufen umnäht, wobei jede Schlaufe noch ein extra Knötchen bekommt. Hilfreiche Anleitungen finden sich im Netz zu Hauf.
Die Knöpfe habe ich mit 10mm breitem Gurtband angebracht.
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27.02.2019, 22:41

Es folgten die Hosentaschen, welche wieder an der unteren Naht gesäubert wurden. Im übrigen die letzte Säuberungsnaht.
Zudem wurden die Applikationen an den Vorder- und Hinterseiten der Hose, also die doppelte Lage Stoff am Gesäß und die Knieverstärkung aus Cordura angebracht. Damit die Cordura Verstärkungen für den weiteren Prozess in Positionen, habe ich wie beim Original, auch bereits die Seiten angeheftet. Beim Zusammenfügen der Vorder- und Rückseiten wird hier aber nochmal eine Kappnaht ausgeführt. Die Knieverstärkung wurde hier noch um 10 cm nach unten verlängert. So ist das Knie in meinem Fall sowohl im Stehen als auch beim Knien immer abgedeckt. Auf einen Klettverschluss wurde verzichtet, da ich beabsichtige, ehr keine Polsterung einzulegen. Falls doch gibt es notfalls die Lösung, wie sie bei einigen Fjällräven Hosen angewendet wird, nämlich die Verstärkung unten mittig nicht zu vernähen und somit eine Öffnung frei zu lassen.
Auf eine "Stulpe" am Beinabschluss werde ich hier verzichten. Dafür werden die untern 10 cm doppellagig ausgeführt.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »HiBro« (27.02.2019, 22:47)


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01.03.2019, 14:22

Nach dem Anbringen der Taschen werden Vorder- und Rückseite zusammengefügt, und zwar an der Aussenseite. Hierbei kommt eine Kappnaht zum Einsatz. Die komplette Hosenlänge so zu nähen ist wahrscheinlich einer der nervigsten Arbeitsschritte, da es wirklich nur zentimeterweise voran geht. Damit bei der Stofffaltung nichts verrutscht, habe ich mich entschlossen, die Doppelnaht parallel mit zwei Nadeln zu nähen.
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Migo

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9

02.03.2019, 19:24

Für das erste Projektist das ja schon was ordentlich anspruchvolles.
Glückwunsch!

10

04.03.2019, 00:45

Danke, noch bin ich ja nicht fertig und wer weiß, ob da alles nachher sitzt, wie es sitzen soll. Allerdings ist es ja im Grunde nur ein Nachnähen verbunden mit viel Geduld.

Hier noch ein paar Bilder der Vorder- und Hinterbeine nach dem Vernähen. Bei der rechten Hälfte habe ich auch schon die kleine Innentasche der Beintaschen angebracht.
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04.03.2019, 00:49

und hier noch ein paar Ansichten der linken Seite. Auch die Hosentaschen wurden mittels doppelter Kappnaht angebracht.
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16.03.2019, 21:00

So, nach einer gefühlten Ewigkeit des Nähens am zweiten Hosenbein habe ich mich erstmal daran gemacht, ein wenig den Reißverschluss vorzubereiten. Da es in der gewünschten Art und Farbe keine 18 cm Langen gab, habe ich einen längeren besorgt und diesen dann gekürzt, danach unten noch ordentlich vernäht und anschließend schon einmal an die vordere Abdeckung angebracht.
Weiter ging es dann mit den Gurten für die Seitentasche. Diese wurden ordentlich an den Enden vernäht. Leider haben die Leiterschnallen zum Verstellen einen leichten Stich ins Olivfarbene, obwohl sie eigentlich wie die Knöpfe coyote braun sein sollten. Nun wird es doch ein etwas wilder Farbmix bei der Hose, aber gut.
Weiter konnte ich nun mit dem anbringen der Seitentaschen beginnen. Die Gurtbänder sollen Später noch wie bei der Hose Einsatz/Übung verdeckt werden, daher fiel die Wahl auch auf Gurtband und nicht Stoff.
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13

Gestern, 19:25

Mittlerweile habe ich nun die Faltungen am Hosenbund eingenäht (damit der Bund enger wird), das Gesäß zusammengefügt und den Reißverschluss eingenäht. Letzteres war eine ziemliche Fummelarbeit, da ich auch hier wieder mittels Kappnaht vernähen wollte. Daher auch keine Bilder vom Prozess. Nach erstem Anprobieren passt der Bund aber schonmal. Soweit so gut. Ein ende ist zumindest schon einmal in Sicht. Als nächstes wird der Bund eingenäht und der Knopf zum Verschließen. Dann geht es mit den Beinen weiter.
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Migo

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Heute, 08:53

Ich bleib dabei ... abgefahren
#kaufdireinemaschine :thumbsup: