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Green Ant

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1

Monday, June 3rd 2013, 9:17pm

Tutorial Doppelte Kappnaht

Da ich für mein derzeitiges Nähprojekt einige Teile mit Hilfe einer doppelten Kappnaht miteinander vernähen will und eine doppelte Kappnaht schon ein bißchen komplizierter zu nähen ist als eine einfache Steppnaht, dachte ich mich, ich übe das mal an einem Stoffrest und für den Fall, daß es klappt, mache ich einfach "unterwegs" schon mal ein paar Fotos und schreibe dann ein Tutorial.

Wozu ist eine doppelte Kappnaht gut?

Kappnähte (insb. doppelte) werden verwendet für sehr beanspruchte Nähte. Im Heimtextilbereich sind sie eher selten, wenn überhaupt, dann trifft man sie schon mal in Jeans, wo sie genommen werden, um die beiden Gesäßteile zu verbinden. Häufiger sind sie bei Segeln, Zelten, Planen etc. Die Bruchlast einer Kappnaht ist höher als die Bruchlast der beiden Stoffstücke, die sie verbindet.

Wie ist die doppelte Kappnaht schematisch aufgebaut?

Beide Stücke Stoff werden an der Seite umgefaltet und die beiden Falten ineinander gesteckt und das Ganze wir dann durch (mind. zwei außen sichtbare) Nähte festgesteppt.

So sieht die doppelte Kappnaht im Prinzip aus:


Bild 1 - Schematischer Aufbau einer doppelten Kappnaht


Die erste Steppnaht geht komplett von oben nach unten durch die roten Pfeile durch, die zweite durch die grünen Pfeile. Zusammen nennt man es Kappnaht. Aber das sind nur die sichtbaren Nähte. Es gibt innendrin noch eine Reihe von unsichtbaren Hilfsnähten, die aber auch zur enormen Reißfestigkeit der Kappnaht beitragen.

So. Wie näht man nun eine doppelte Kappnaht?

Ich hab das mal im Beispiel gemacht und "unterwegs" Fotos gemacht. Ich hab zwei Stücke Multicam Stoff Cordura 1000 den genommen.

Gehen wir es doch mal durch:

Schritt 1:

Wir wollen also das linke Stück und das rechte Stück mit einer Kappnaht aneinander nähen. Zuerst markieren wir die beiden Nahtzugaben mit je 1,5 cm Breite. Das sind hier die roten Striche. Die Kappnaht wird in etwa halb so breit wie die zur Verfügung stehende Nahtzugabe. Bei Cordura etwas weniger als halb so breit, also ca. 6-7 mm, jenachdem, wie sauber man arbeitet. Hier die beiden Ausgangsstoffe:


Bild 2 - Die beiden Stoffstücke mit rot eingezeichneter Nahtzugabe


Schritt 2:

Als nächstes zeichnen wir Hilfslinien auf der Hälfte der Entfernung zwischen rotem Strich und Stoffkante, hier blau gestrichelt:


Bild 3 - Hilfslinien in der Mitte der Nahtzugabe in blau gestrichelt


Schritt 3:

Jetzt schieben wir das rechte Stück Stoff unter das linke Stück Stoff, und zwar genau bis zur blau gestrichelten Linie. Die blau gestrichelte Linie des rechten Stoffstücks liegt jetzt genau auf der Stoffkante des linken Stück Stoffs (und umgekehrt):


Bild 4 - Rechtes Stück Stoff unter das linke geschoben.


Schritt 4:

Jetzt setzen wir eine erste Steppnaht schmalkantig auf die rechts Kante des linken Stoffstücks, also ungefähr so, daß die Naht durch die darunter geschobene blau gestrichelte Linie läuft. (Ich habe die Versäuberung hier mal der Übersichtlichkeit halber weggelassen. Man macht die eigentlich, sie ist aber bei Kappnähten im Grunde nicht notwendig und bei beschichtetem Cordura eigentlich sowieso nicht.)


Bild 5 - Steppnaht (Hilfsnaht) schmalkantig am Stoffende des oben liegenden Stücks


Schritt 5:

Jetzt wird das rechte Stück Stoff nach links über das linke geklappt (so daß die beiden rechts-auf-rechts liegen), und zwar genau an der eben gesetzten Steppnaht. Dann setzen wir nach Belieben ein oder zwei weitere Hilfsnähte. Zur Info: die sind klassischerweise nicht nötig und gehören zur "offiziellen Variante" der doppelten Kappnaht nicht dazu. Man sieht sie später aber nicht, sie sind komplett verdeckt. Man kann die machen. Muß man aber nicht. Ich mache die gerne, weil sie es erstens erleichtern, einen so unhandlichen und dicken Stoff wie Cordura zu fixieren (mit Stecknadeln kommt man da nicht weit) und zum zweiten machen sie die Naht haltbarer. Also: ich empfehle zwei weitere Steppnähte. Schmalkantig. Eine am rechten Rand des Werkstücks und eine ca. 6-7 mm links davon. Siehe hier:


Bild 6 - Hilfsnähte (optional)


Schritt 6:

Man kann jetzt optional (Haltbarkeit) noch eine weiter Steppnaht in der Mitte der beiden eben gemachten Nähte anbringen. Muss man aber nicht. Ist auch eine verdeckte Naht. Sieht man später nicht.


Bild 7 - Noch eine Steppnaht in der Mitte der beiden eben gemachten


Schritt 7:

Jetzt klappt man den eben nach links geklappten Teil wieder zurück nach rechts und zerrt ihn soweit wie möglich nach rechts, damit alles schön platt wird. Keine Bange, da kann man ruhig heftig dran ziehen, der ist bereits bombenfest angebracht, da passiert nichts.

Dann setzt man mindestens zwei Nähte: die erste links schmalkantig auf dem oben liegenden Stoffstück und die zweite rechts nahe dem roten Strich (aber links davon). Wenn man will, noch eine in der Mitte dazwischen. Sieht extravagant aus, drei Nähte sind selten und zumindest für Freunde des Nähens ein "Hingucker". Die Frage "Ist das selbst genäht?" wird wahrscheinlicher ;)


Bild 8 - Zwei oder drei Steppnähte und fertig

This post has been edited 2 times, last edit by "Green Ant" (Jun 4th 2013, 6:48pm)


2

Thursday, January 7th 2016, 4:14pm

http://www.napravnik.com/workshop/doppelte_kappnaht.htm

Diese Animation hat mir vor Jahren die Kappnaht nähergebracht. Bei festen Stoffen wie Cordura ist eine einfache Kappnaht auch gut geeignet: normale Steppnaht, Nahtzugaben nach einer Seite umbügeln und von rechts doppelt absteppen. Da die Schnittkanten sichtbar sind und ausfransen können, sollten sie einzeln oder gemeinsam versäubert werden (üblich Zickzack).
Grüße
Bee

3

Friday, January 8th 2016, 11:11am

Bügeln ist bei Cordura 1000 nicht. Das ist dem völlig egal ;-)

Aber die Animation ist nett!
Green Ant
Individual Outdoor and Tactical Equipment
fb.com/GreenAntEquipment

4

Friday, January 8th 2016, 5:59pm

Bügeln ist bei Cordura 1000 nicht. Das ist dem völlig egal ;-)
Uh, ja, natürlich. Bügeln in dem Zusammenhang ist einfach Macht der Gewohnheit. Vielleicht mit Falzbein in neue Richtung drücken? Kein Plan wie das bei dem steifen Zeugs zu bewerkstelligen ginge.
Grüße
Bee