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Samstag, 25. April 2015, 12:59

MYOG – DIY – Tutorial – „2 Point Rifle Sling“ oder „2 Punkt Gewehrgurt“

Servus TacTrim-Gemeinde!

Einleitung:

Dieses Tutorial behandelt die Herstellung einer „2 point rifle sling“ mit verstellbarer Länge (kurz und lang).

Auf die Funktionen und diversen Raffinessen gehe ich hier nicht ein, da diesbezüglich genügend YouTube Videos existieren.

Da ich im Laufe der Zeit mit mehreren Gear-Herstellern diversteste Korrespondenzen hatte und ich feststellen musste, dass nahezu alle von ihnen verschiedenste „Geheimnisse“ haben, welche sie nicht preisgeben wollen, habe ich beschlossen meine Tutorials in Zukunft etwas „offener“ zu präsentieren.
Dies soll dazu dienen, dass die „Geheimnisträger“ sich keine Sorgen machen müssen, dass ich gut gehütete Details verrate und ihnen dadurch kein Nachteil entsteht.


SCHRITT 1: Das Material und Werkzeug



Das Werkzeug: (bekommt ihr bei Großteils Tacticaltrim.de)
- HSG Heißschneider
- Schere
- Feuerzeug
- Leatherman
Optional:
- Kleine Klemmen

Das Material: (bekommt ihr Großteils bei Tacticaltrim.de)
- Gurtband 25mm
- 6 Stk. ITW Nexus Dreisteg für 25mm
- ITW QRB 25mm
- Klett- und Flauschband 25mm
- Paracord
- Schaumgummi / Schaumstoff
- Schlauchband 50mm


SCHRITT 2: Die Planung

Da ich wie schon erwähnt, einige Personen kenne, welche schon derartige Gewehrgurte verwenden hab ich einen dieser Gurte als Muster herangezogen, abgemessen und in weiterer Folge (bis auf kleine Änderungen) ähnlich gefertigt.

Die Änderungen entstanden aus Erfahrungswerten bzw. Sonderwünschen und nehmen auf die „Funktion“ des Gurtes nur wenig Einfluss. Aber bekanntlich liegt ja alles im Detail und so sollte auch mein Gurt ein durch mein „persönliches Detail“ geprägt sein.

Näher gehe ich auf die Planungsphase aufgrund der bereits genannten Gründe in der Einleitung nicht ein.


SCHRITT 3: Zuschneiden





Das angegebene Gurtband wird nun mittels HSG Heißschneider in gewünschter Länge und Variation zugeschnitten.

Erkennbar dabei ist, dass immer ein Ende „gerade“ und das andere „schräg“ abgeschnitten wurde.

Liegt daran, dass die „geraden“ Enden vernäht werden und die „schrägen“ Enden so ausgeführt sind damit man sie einfach in die notwendigen ITW Nexus Dreistege oder die QRB „einfädeln“ kann.

Weiters sind die Flausch- und Klettbänder mittels Schere in gewünschter Länge abzuschneiden.

Zu guter Letzt noch den Schaumstoff zurechtschneiden. Hier habe ich eine Trainingsmatte/Unterlagsmatte günstig gekauft und dazu verwendet. Schaumstoff ist im Baumarkt sehr teuer und die von mir verwendete Matte kann aufgrund der Struktur leicht geschnitten und aufgrund des Materials gut verarbeitet werden.
(Den Schaumstoff so zuschneiden, dass er in weiterer Folge gut in des 50mm Schlauchband eingeführt werden kann.)


SCHRITT 4: VERNÄHEN

Die Reihenfolge der Näharbeiten bleibt jedem selbst überlassen. Hierbei gilt jedoch, je besser geplant desto schneller der Arbeitsablauf.

Hier wurde der Schaumstoff mit den Gurtbändern vernäht, damit das anschließende Einführen in das 50mm Schlauchband leichter geht. So wenig wie möglich vom Gurtband vernähen, da dies sonst bei der Länge des Gewehrgurtes fehlt. Außer natürlich ihr plant mehr ein – kostet aber dann dadurch auch mehr (mehr Material, mehr Kosten).







Danach wird das Flausch- und Klettband auf das Gurtband genäht. Wichtig dabei ist zu beachten, dass diese nicht auf der selben Seite vernäht werden dürfen.
Somit das Klettband auf der einen und das Flauschband auf der anderen Seite des Gurtbandes vernähen. (Das „Warum“ ist in den folgenden Arbeitsschritten gut erkennbar)





SCHRITT 5: Das Schlauchband

Das Schlauchband stellt bei diesem Projekt die „Lady“ dar. Es ist das absolute Biest bei der Verarbeitung. Teilweise bockig und sehr speziell, franst leicht aus, lässt sich schwer einfalten (zumindest auf einer Seite) und aufgrund der Fransen schwer vernähen. – siehe nachfolgende Problemstellungen.

Nun den Schaumstoff mit den angenähten Gurten in das Schlauchband einführen. Und hier beginnt das Ganze richtig mühsam und „tricky“ zu werden.

Erste Problemstellung:
(Wenn jemand eine gute/bessere Lösung zu den genannten Problemen hat, würde ich mich über eine Nachricht diesbezüglich sehr freuen)

Das Schlauchband kann nicht mit dem Heißschneider geschnitten werden, da es sonst zusammenklebt. Es muss also einfach mit der Schere geschnitten werden und dann mit an den Enden mit dem Feuerzeug angesengt werden. Darf nicht zu viel sein, da das Material sonst sofort wegschmilzt. Also wirklich vorsichtig arbeiten.

Das nächste Problem ist, dass wenn man es nur vorsichtig ansengt, man beim Einführen des Schaumstoffen, die Enden des Schlauchbandes wieder „aufreißt“ und somit das Ganze ziemlich „hässlich“ ausfranst.
Das Ausgefranste muss wieder mit dem Feuerzeug bearbeitet werden und lässt sich auch nicht sonderlich gut vernähen.

Also wer hier gute/bessere Ideen hat – ich bin für alles offen. Diese Problematiken machen den ganzen Gurt zu einem eher mühsamen Projekt, weil man wenn etwas schief geht mehr Material braucht.



Nach dem Einführen des Schaumstoffes in das Schlauchband sollten die Enden vernäht werden.

Theoretisch: Einfalten, festklemmen und vernähen. So wäre die „trockene“ Ideallösung. Das Ganze ist allerdings nicht so einfach getan.

Dies führt uns zur nächsten Problemstellung.

Zweite Problemstellung:
Das Schlauchband ist so verarbeitet, dass es quasi ein schlauchförmiges Gurtband darstellt. Dazu muss es anscheinend auf einer Seite vernäht oder verschweißt werden (der genaue Arbeitsprozess ist mir nicht bekannt).

Die vernähte oder verschweißte Seite des Schlauchbandes lässt sich sehr schwer formen und noch schwieriger Einfalten. In Form bügeln o.ä. wurde allerdings nicht ausprobiert. Hatte nicht so viel Material und wollte in meinen Selbstversuchen nicht noch mehr Verschleiß provozieren.

Man braucht also viel Geduld und ein ruhiges „Händchen“ um den Übergang vom schmalen zum breiten Gurtband hinzubekommen.







SCHRITT 6: Der Verstell-Mechanismus

Bei diesem Arbeitsschritt beschäftigen wir uns mit dem Verstell-Mechanismus.

Zu aller erst vernähen wir das „gerade“ Ende, des noch übrigen 25mm Gurtbandes. Einfach zweimal einschlagen und vernähen. That easy.



Nun das schon vorbereite Gurtband, welches mit Klett und Flausch versehen wurde in das lange Gurtband einnähen.

Dabei ist nur wichtig, dass das eingefaltete vernähte Ende „nach unten“ zeigt.

Weiters wird das kurze Gurtband in das lange Gurtband in von einem „Kreuz“ eingenäht.
Das lange Gurtband wird dabei in Form von einem „S“ (also zweimal“) eingeschlagen, wobei das kurze Gurtband in die untere „S-Schlaufe“ eingelegt und vernäht wird.





Abschließend das Gurtband in das QRB wie am Bild dargestellt „einfädeln“ und fertig ist der Verstell-Mechanismus.




SCHRITT 7: Paracord-Handle und Fertigstellung

Als letzten Schritt wird als „Griff“ beim QRB ein Paracord eingebunden. Ich habe mir hier für eine Cobra-Knüpfweise entschieden. Hier kann natürlich alles andere auch verwendet werden. Der ursprüngliche Gewehrgurt hat einfach eine Schnur dran mit einem Schrumpfschlauch darüber.



Nach dem Paracord-Arbeitsschritt, noch die ausständigen ITW Nexus Dreistege im Gurt verarbeiten.








Schlusswort:

Wie ihr seht ist, bis auf einige beschriebene und geduldnotwendige Probleme, die Herstellung des Gurtes selbst durchaus möglich.

Wie schon erwähnt, freue ich mich über Inputs durch euch und vielleicht lässt sich dadurch sogar das eine oder andere „Problem“ beseitigen.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »ersBUCHI« (25. April 2015, 13:13)


Migo

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2

Samstag, 25. April 2015, 15:26

Schick! :thumbup:
Hab ich auch schon mal gemacht, allerdings den Gurt im Polster "durchgehend":

3

Samstag, 25. April 2015, 16:52

Sehen super aus - macht ich Camo schon was her muss ich sagen !!
Ja ich wart noch auf meine Krypten Lieferung und dann hab ich auch vor derartige zu machen. Leider dauert das noch etwas ;/

Wieso durchgehender Gurt? Meinst du das die Nähte nicht hälten würden?
Was für ein Cordura hast du verwendet? Mein Plan war 1000er, weil ich denke dass es strapazierbarer ist als 500 - auch wenn einige meinen es sei zu bockig.

4

Samstag, 25. April 2015, 22:18

Zur Verarbeitung des Schlauchbands: Wenn Du beim Durchziehen des Schaumstoffs das Ende großzügig (so 6-8 cm) nach außen umklappst, wäre das ausfransende Ende Dir doch eigentlich weit genug aus den Füßen, so daß es dort in Ruhe auf seine Verarbeitung warten kann, oder?

Um das Ausfransen zu verhindern, könntest Du es auch mit maximaler Zickzackbreite und engen Stichen versäubern vorher. Es wird ja eh untergeklappt, ist also egal.

Alternativ zu Schlauchband könnte man auch noch aus Cordura und Netzgewebe selbst einen Schlauch fertigen und dann umstülpen. Ist auch nicht so schwitzig zum Träger hin.

Die Vernähung des 1" Gurtbands an die Yogamatte hätte ich auch etwas länger gewählt, nicht nur einen halben Zentimeter. Ist ein bißchen kraftschlüssiger und reißt nicht so schnell aus. Wie dick ist denn eigentlich die Yoga-Matte gewesen (der Schaumstoff heißt üblicherweise Evazote). Ich habe bei meinem Rucksack mal testweise versucht, ob ich Molle-Schlaufen auf die Schultertragegurte nähen kann, die sind mit 8 mm Evazote gefüllt und das hat meine Nähmaschine nicht geschafft. Nicht, weil sie nicht durchgekommen wäre, sondern, weil der Nähfußdruck nicht ausreichend hoch war, um das Evazote komprimieren zu können, was ja nötig ist, um das Garn straff zu ziehen.

Gruß,
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Rinash

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5

Samstag, 25. April 2015, 23:15

Könnte man das Schlauchband nicht über einen runden Gegenstand stülpen und dann so mit dem Heißschneider schneiden?

6

Samstag, 25. April 2015, 23:24

Reicht vermutlich auch ein Stück Blech... muss vielleicht nicht einmal rund sein...
Green Ant
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Migo

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7

Sonntag, 26. April 2015, 07:24

Nenn mich Pussy, aber 1000er ist einfach zu rau. Das 500/550er ist einfach weicher und angenehmer als Polster zu benutzen.

Gurtband weil ich bei sowas elementaren wie der Waffe keine Sollbruchstelle brauche/möchte. Muss halten, komme was wolle - da bin ich pinzig. :whistling:

Kryptek ist so verdammt sexy, da hast Du recht. Gerade wenn das Inferno noch kommt, wird's richtig fancy. :love:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Migo« (27. April 2015, 07:03)


8

Sonntag, 26. April 2015, 11:15

Zur Verarbeitung des Schlauchbands: Wenn Du beim Durchziehen des Schaumstoffs das Ende großzügig (so 6-8 cm) nach außen umklappst, wäre das ausfransende Ende Dir doch eigentlich weit genug aus den Füßen, so daß es dort in Ruhe auf seine Verarbeitung warten kann, oder?


Bezüglich umfalten des Schlauchbandes: Hab ich beim ersten Gewehrgurt versucht - ging auch nur mäßig bis brauchbar.

Um das Ausfransen zu verhindern, könntest Du es auch mit maximaler Zickzackbreite und engen Stichen versäubern vorher. Es wird ja eh untergeklappt, ist also egal.


Das Versäubern mit Zick Zack müsste ich direkt mal ausprobieren. Habe ich selbst noch nie gemacht. Das Unterklappen oder Einfalten des Schlauchbandes hab ich absichtlich nicht gemacht, da es dann ziemlich dick wird und auch nur sehr schwer geht, weil die eine Seite ziemlich bockig ist leider.

Alternativ zu Schlauchband könnte man auch noch aus Cordura und Netzgewebe selbst einen Schlauch fertigen und dann umstülpen. Ist auch nicht so schwitzig zum Träger hin.


Ich wollte ihn ziemlich originaltreu machen und hab deswegen auf das Cordura verzichtet. Bei meinen geplanten Kryptek-Gewehrgurten, werde ich es dann so machen.

Die Vernähung des 1" Gurtbands an die Yogamatte hätte ich auch etwas länger gewählt, nicht nur einen halben Zentimeter. Ist ein bißchen kraftschlüssiger und reißt nicht so schnell aus. Wie dick ist denn eigentlich die Yoga-Matte gewesen (der Schaumstoff heißt üblicherweise Evazote). Ich habe bei meinem Rucksack mal testweise versucht, ob ich Molle-Schlaufen auf die Schultertragegurte nähen kann, die sind mit 8 mm Evazote gefüllt und das hat meine Nähmaschine nicht geschafft. Nicht, weil sie nicht durchgekommen wäre, sondern, weil der Nähfußdruck nicht ausreichend hoch war, um das Evazote komprimieren zu können, was ja nötig ist, um das Garn straff zu ziehen.


Die Yoga-Matte ist etwa an die 4mm (also halb so breit). Zu dick sollte/musste die Polsterung nicht sein, da die Yoga-Matte selbst sehr gute dämpfende Eigenschaften trotz der "schmalen" 4mm aufweist.

Die Vernähung von Gurtband und Schaumstoff dienst nur dazu, dass es leichter zum Einfädeln in das Schlauchband geht. Soll also keine Belastung aushalten. Das Gurtband selbst wird ja dann mit dem Schlauchband vernäht. Und da sind die Nähte so gewählt, dass es diversen Belastungen stand halten sollte.

Dickeren Schaumstoff hab ich noch nicht vernäht, sollte aber für meine Industrie-Pfaff kein großes Problem sein. (Hoff ich ;) )

9

Sonntag, 26. April 2015, 11:19

Nenn mich Pussy, aber 1000er ist einfach zu rau. Das 500/550er ist einfach weicher und angenehmer als Polster zu benutzen.

Gurtband weil ich bei sowas elementaren wie der Waffe keine Sollbruchstelle brauche/möchte. Muss halten, komme was wolle - da bin ich pinzig. :whistling:

Ryptek ist so verdammt sexy, da hast Du recht. Gerade wenn das Inferno noch kommt, wird's richtig fancy. :love:



Bezüglich 1000er Cordura, hab ich auch gelesen, dass es angeblich unangenehmer sein soll. Jedoch war für mich Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit wichtiger als Komfort. Noch dazu, da diese eigentlich nicht alleine sondern nur mit "Ausrüstung" verwendet werden. Sollte also eher kein Problem sein.

Ja Kryptek macht einiges her. Ich bin schon ziemlich gespannt wie diese dann aussehen werden.

Bezüglich "Sollbruchstelle" - Ich seh das eher von der ökonomischen Seite. Aufgrund der guten Vernähung dürfte hier nichts reißen o.ä.

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Sonntag, 26. April 2015, 11:21

Könnte man das Schlauchband nicht über einen runden Gegenstand stülpen und dann so mit dem Heißschneider schneiden?

Könnte man das Schlauchband nicht über einen runden Gegenstand stülpen und dann so mit dem Heißschneider schneiden?


Diese Idee hatte ich mir auch schon überlegt. Glaube trotzdem dass es schwer ist einen sauberen und geraden "Schnitt" hinzubekommen. Dachte da auch an Bleck oder Rohr, jedoch muss das Blech genauso breit sein usw. Ist auf jeden Fall mal ein Versuch wert. Vielen Dank!

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Samstag, 27. Juni 2015, 22:35

Hier mal ein ähnliches Projekt welches mir wieder einige Fertigungsraffinessen abverlangt hat.

Zum Glück konnte ich etwas Gurtband einem befreundeten Hersteller abkaufen, damit ich mein versprechen halten kann.






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