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Green Ant

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1

Freitag, 19. Juli 2013, 09:56

Projekt "Pfefferspray-Pouch"

Hallo,

nachdem sich mein Feldstecher-Taschen-Projekt ja dem Ende nähert, muß hinten in die Projektpipeline natürlich wieder was reingestopft werden.

Und zwar folgendes (ich hab da hier im Tacticalforum schon was zu geschrieben).

Ich gehe gerne mal querfeldein wandern, gerne auch in spärlich besiedelten Gegenden. Und da kommt es ab und an dazu, daß ich unvermittelt auf irgendwelche "Anwesen" (Schaf- oder Ziegenherden, Hütten, Almen, ...) stoße, die von Hunden bewacht werden. Ohne Zaun. Schon das ein oder andere Mal kamen die Hunde dann schnell und bellend heran und ich mußte schauen, daß ich wegkam.

Dazu hab ich immer ein Pfeffer-Gel-Spray (dies hier, ich kann es übrigens empfehlen) dabei. Musste es bisher noch nicht verwenden, aber es war schon 3-4x nahe dran. Bislang trug ich das in Ermangelung eines brauchbaren Holsters in der Cargo-Tasche der Hose. War ich nie mit zufrieden, jetzt soll was besseres her.

Da ich aus meiner Rolle als gelernter Produktmanager nicht rauskomme, kommt hier dann als erstes natürlich mal wieder ein Lastenheft :) .

Gruß,

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Green Ant« (19. Juli 2013, 10:33)


Green Ant

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2

Freitag, 19. Juli 2013, 10:33

#1

Lastenheft ("Was soll die Tasche leisten?")

[1]: Das Pfeffergel soll schnell ziehbar sein, im Idealfall alleine mit der rechten Hand in eine "ergonomisch einfache Richtung".

[2]: Es soll ein bißchen verdeckt werden, daß ich an direkt zugänglicher Stelle eine Art "Abwehrwaffe" trage (ich will ja nicht direkt für so paranoid gehalten werden wie ich eigentlich bin) ;)

[3]: Es soll gut arretiert sein und beim Wandern in unwegsamem Gelände nicht von alleine rausfallen.

[4]: Es soll auch woanders "montierbar" sein (keine feste Verbindung des "Trägers/Holsters" an einer festen Stelle).

[5]: Es soll irgendwo "zentral" (d.h., nicht "zu weit außen" an mir) angebracht sein, damit ich nicht in Engstellen damit irgendwo dran entlang schramme.

[6]: Es soll geschützt sein, so daß ein versehentliches Auslösen mich nicht trifft und auch kein Dreck an die Sprühdüse kommt.

[7]: Optional: Das Teil soll zu meinem Multicam-Tagesrucksack passen, den ich üblicherweise bei diesen Touren trage.

[8]: Das Ganze soll haltbar und robust sein.

Ich werde hier in diesem Thread mal die weitere Entwicklung (Pflichtenheft und Umsetzung) beschreiben.

Gruß,

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Green Ant« (20. Juli 2013, 13:50)


Green Ant

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3

Freitag, 19. Juli 2013, 11:40

#2

So, nun mal der erste Versuch für das dazugehörige Pflichtenheft:

Pflichtenheft ("Wie macht die Befestigungsvorrichtung das?")

Zu [1]: Da ich einen Rucksack mit Hüftgurt trage, kommt eine Anbringung am Gürtel nicht in Frage. Weiter hinten an der Seite des Rucksacks ist auch keine Option, da komme ich nicht schnell ran. Die günstigste Positionierung ist an einem der beiden Schultertrageriemen, auf Brusthöhe. Ergonomisch zu ziehen wäre das Pfeffergel dann nach unten. Bei einem Messer würde man "Trageweise tip up" sagen.

Zu [2]: Die Verdeckung bekommt man dadurch hin, daß man ein Holster baut, das das meiste des Pfeffergels verdeckt.

Zu [3]: Die Arretierung des Holsters muß bei genug Zug nachgeben und das Spray freigeben. Hier fällt mir zunächst natürlich Kydex als Material ein, mit dem sowas herstellbar wäre. Aber ich möchte das Holster ja selbst bauen, also nähen. Daher fällt Kydex für mich aus. Es bleiben zwei Möglichkeiten im Rennen:
  • Tacticalforum-User Serration kannte diese Pouch hier:

    Die erfüllt von der Bauart schon mal so ziemlich alles, was gefordert ist. Sie ist auf der Rückseite mit Molle ausgerüstet, der Verschluss ist Klett. Wenn es jedoch nach unten getragen wird (was vermutlich so sein muß), dann wird das einhändig schwierig, da das Pfeffergel rausfallen kann, wenn man das Klett öffnet.
  • Eine andere Möglichkeit wäre, sich zu Nutze zu machen, daß das Pfeffergel eine Taille zwischen Druckkanister und "Deckel" hat. Da ließe sich was konstruieren, was mit einem Shock-Cord zu tun hat. Ich mache da mal 'ne Zeichnung zu.
Zu [4]: Das Holster wird per Molle-Straps auf der Rückseite montierbar sein.

Zu [5]: Ist durch [1] bereits mit abgedeckt. Die Befestigung wird auf der Brust sein (am Trageriemen des Rucksacks).

Zu [6]: Wird durch [2] schon mit abgedeckt. Durch die Verdeckung mit Stoff ist das Holster automatisch geschützt.

Zu [7]: Anfertigung des Holsters aus Cordura Multicam auf einer Basis Multicam Gurtband stellt sicher, daß das Holster zum Rucksack passt.

Zu [8]: Wird durch [7] schon mit abgedeckt. Die Sache wird durch die o.g. Materialien robust.

Gruß,

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Green Ant« (19. Juli 2013, 13:29)


Green Ant

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4

Freitag, 19. Juli 2013, 14:52

#3

So, hier als erstes mal ein Foto des Pfeffergels, das ich unterbringen möchte:


Bild 1 - Pfeffergel First Defense Red Pepper Gel Mk 3


Die Idee zielt darauf ab, sich zunutze zu machen, daß das Gel eine Taille hat und diese Taille zur Arretierung mittels Shock Cord zu verwenden. Hier mal eine Skizze:


Bild 2 - Taille nutzen zur Arretierung?


Auf der linken Seite zeigen die beiden blauen Pfeile, wo die Taille des Pfeffergels ist. Die rechte Seite skizziert dann die Konstruktion, die man evtl. machen kann:

(1) Ist die rückseitige Basisplatte, da würde ich doppeltes Gurtband nehmen, entweder 3,8 cm oder 5 cm. (2) ist der Molle-Straps mit (3) dem Druckknopf. (4) ist eine Abdeckung für den Sprühkopf, (5) die Abdeckung für den Korpus, (6) ist ein eng durch die Taille gezogenes Shock-Cord und (7) die Abdeckung für den Tank des Pfeffergels.

Ich glaube, ich werde mal ausprobieren, ob man das Shock-Cord so eng gezogen bekommt, daß es in der Taille sauber arretiert. Und dann ein paar Schleudertests mit dem Prototypen machen :)

Ich nehm da aber auch gerne mal eure Erfahrungen entgegen. Es werden auch noch Wetten angeboten, ob es hält ;)

Gruß,

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Green Ant« (20. Juli 2013, 13:53)


5

Sonntag, 8. September 2013, 14:34

#4

Schüttelversuche tadellos überstanden. Die Arretierung in der Rille funktioniert wie gedacht. Durch den Kordelstopper ist die Spannung auch einstellbar.


Bild 1 - Hält das


Jetzt wird die rückwärtige Trägerplatte der Kleinst-Pouch genäht (auf 1,5" Multicam Gurtband doppellagig):


Bild 2 - Rückwärtige Basisplatte der Pouch
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Green Ant« (8. September 2013, 16:03)


6

Sonntag, 8. September 2013, 22:03

#5

So, hier schon mal ein paar "Zutaten":
  • Die Schutzabdeckung für den Druckbehälter der Pfefferspray-Dose
  • Zwei Molle-Streifen für die Rückseite

Bild 1 - Pfefferspray-Pouch, noch zerlegt

Die beiden rückseitigen Molle-Streifen habe ich dann doch nicht gebraucht, nur einen (für die Puristen: er ist nur 3,8 cm breit, nicht die lt. Spezifikation geforderten 4 cm):


Bild 2 - Rückseite mit Molle-Streifen und Molle-Straps
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Green Ant« (9. September 2013, 16:33)


7

Sonntag, 8. September 2013, 22:04

#6

Damit ist die Pouch dann auch stabiler an der Trägerplatte angebracht. Hier habe ich sie mal testweise an eine Pouch angebracht:


Bild 1 - Test des rückseitigen Molle-Adapters


Und wie man sieht es - hält (in der Pouch ist ein ca. 1 kg Fernglas drin, ich hab kräftig gerüttelt):


Bild 2 - Hält.
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8

Sonntag, 8. September 2013, 22:12

#7

Auf der Vorderseite habe ich dann auf der entsprechenden Höhe das Shock Cord für die Taille des Pfeffergels angenäht:


Bild 1 - Shock Cord angenäht


Aber da Shock Cord selbst nur recht tückisch zu nähen ist, habe ich es danach noch in einen Tunnel aus Multicam Ripsband eigenäht:


Bild 2 - Eingenäht in einen Tunnel aus Multicam Ripsband


Hier das ganze in fertig:


Bild 3 - fertig
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9

Sonntag, 8. September 2013, 23:12

#8

So, die Schutzabdeckung für den Druckkörper ist montiert:


Bild 1 - Schutzabdeckung von rechts


Morgen kommt noch die Schutzabdeckung (Haube) für den Header (siehe Bild 2 aus Posting #3, Teil (4)).

Hier gab's übrigens dann gerade den Rekord mit meiner Brother innvo-is 10: 4 Lagen Gurtband und 4 Lagen beschichtetes 1000 den Cordura. Gab keine Probleme. Nur die 100er-Nadel sollte ich mal gegen eine 110er austauschen. Das Garn läuft nicht so frei, die Maschine nimmt sich dadurch selbst die Kraft weg.
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10

Dienstag, 10. September 2013, 11:08

#9

Für die Haube (Schutzkappe über der Sprühvorrichtung) gab es dann nochmal richtig nerviges Gefrickel. Ich wollte diese Haube aus zwei Teile nähen, einen "Deckel" und einen "Rand außen herum". Also zuerst mal angezeichnet. Oben liegt der Deckel (der Außenrand außerhalb der schwarzen Linie ist 1 cm Nahtzugabe, unten liegt der "Rand" (jede Seite 1 cm Nahttzgabe).


Bild 1 - Zuschnitt


Als nächstes habe ich den "Rand" (unten) einfach versäumt und auf dem "Deckel" auf links noch gepunktet die Naht angezeichnet. Die muß ja knapp neben dem Rand liegen (die Naht soll auf dem seitlichen Deckel sein, nicht oben drauf auf dem Deckel):


Bild 2 - Saum genäht und Naht angezeichnet


Mein erster Versuch war, daß ich von links aus nähe, also so:


Bild 3 - Erster Versuch: von links genäht


Der Versuch ist aber fehlgeschlagen. Ich habe es einfach nicht geschafft, die Saumnaht des unten liegenden Stücks ("Rand") zu treffen. Das hab ich dann wieder aufgemacht. Unter Fluchen.

Nächster Versuch war dann "von oben", also so, daß die rechte Seite Richtung Nadel schaute. Das ging besser, allerdings habe ich meine 5 Hände dafür verwenden müssen, das Werkstück sauber in Position zu halten und hatte dann bedauerlicherweise keine Hand mehr für den Fotoapparat frei.
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11

Dienstag, 10. September 2013, 12:01

#10

Das Annähen von der rechten Seite aus hat dann schon besser geklappt. Hier das Ergebnis (muss nur noch umgestülpt werden):


Bild 1 - Angenäht von rechts. Hat geklappt.


So sieht das ganze vernäht von links aus (ich hatte die Rundung eingeschnitten):


Bild 2 - Haube von links


Und so dann zurückgeklappt "auf rechts" (die Rundung ist ganz sauber gelungen, wie ich finde):


Bild 3 - Die Schutzhaube auf rechts
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12

Dienstag, 10. September 2013, 12:36

#11

Das nervigste war aber jetzt, die Abdeckhaube an die rückwärtige Basisplatte anzunähen. Sind drei innere Nähte, die erste davon geht ja noch, weil dafür der Rest "weggeklappt" sein kann, danach wurde es richtig eklig, auch, weil das ganze ja auf engstem Raum stattfand. Die Breite der rückwärtigen Platte ist 3,8 cm. Alleine der kleinste Nähfuß meiner Maschine ist so lang. Nix rangieren. Grrr.


Bild 1 - Zwei Kanten sind schon angenäht


Nach einigen Anläufen dann endlich fertig:


Bild 2 - Fertig.


Puh. Rundungen mit diesem kleinen Radius sind widerlich. Nicht mehr so schnell wieder, wenn's geht.

Das Ziehen nach unten aus der Holster Pouch funktioniert übrigens sehr gut. Und die Einstellung der Haltespannung über das Shock Cord klappt.

Maximaler Materialstapel bei diesem Projekt war: 6 Lagen Gurtband, 4 Lagen Cordura 1000 den.
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Sven

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13

Dienstag, 10. September 2013, 17:25

Sieht interessant aus, um es mal so zu formulieren. Aber wenn es funktioniert, dann hat es seine Daseinsberechtigung.

Aber: Du hast dir ja doch diesen Mist mit dem Einschneiden abgeschaut! :D Ich glaube, dass das bei dem kleinen Durchmesser und der geringen mechanischen Beanspruchung nichts ausmachen wird, aber perfekt ist das sicher nicht.

Womit machst du eigentlich diese CAD-Skizzen?

Gruß
Sven

14

Dienstag, 10. September 2013, 22:59

Sieht interessant aus, um es mal so zu formulieren. Aber wenn es funktioniert, dann hat es seine Daseinsberechtigung.

Hatte mir mit den Anforderungen, die ich an die Pouch habe, ja durchaus ein paar Gedanken gemacht ganz zu Anfang. Im Moment glaube ich, daß es zu meinen Anforderungen passt.

Zitat

Aber: Du hast dir ja doch diesen Mist mit dem Einschneiden abgeschaut! :D Ich glaube, dass das bei dem kleinen Durchmesser und der geringen mechanischen Beanspruchung nichts ausmachen wird, aber perfekt ist das sicher nicht.

Jepp. Gebe ich zu, hatte mir mit dem Einschneiden wohl was abgeguckt. Stimmt. So verliert das ganze Stabilität. Wie Du schon schreibst, glaube ich, daß das bei der zu erwartenden mechanischen Belastung so ok geht. Ich hätte das auch gerne nach Lehrbuch genäht, noch mit Einfassband innen, aber da wäre ich dran verrückt geworden. So Kleinfisselarbeit ist echt nicht meins. Radius 2 cm. Ameisenschlafsack. Nicht nochmal.

Zitat

Womit machst du eigentlich diese CAD-Skizzen?

Nix besonderes. Nur mit Word. Bislang reicht das aus. Wenn das nicht mehr passt, werde ich mal Visio nehmen.

Gruß,
Green Ant
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Green Ant« (11. September 2013, 12:18)


SR Tactical

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15

Mittwoch, 11. September 2013, 19:00

Ist es großkotzig, wenn ich jetzt sage das ich meine CAD-Modelle mit Autodesk Inventor Professional 2014 mache?

:D

Gut geworden die Tasche!
Stefan Roth
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Ja, ich arbeite für Messer.

16

Mittwoch, 11. September 2013, 23:20

Ist es großkotzig, wenn ich jetzt sage das ich meine CAD-Modelle mit Autodesk Inventor Professional 2014 mache? :D

Irgendwo muß der Unterschied zwischen Profi und Heimwerker ja sein ;)

Zitat

Gut geworden die Tasche!

Vielen Dank!
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